Wo sehen Sie beim Thema Innovation die großen Stärken der Unternehmen in Mitteleuropa im internationalen Vergleich?
Nun, ich denke dass wir Russland, China und den Mittleren Osten, sowie viele andere sogenannte New Player überschätzt haben, wenn es um Innovationen geht. Diese Länder sind natürlich als Märkte und Wettbewerber wichtig, insbesondere als Wettbewerber im Niedrigkostenbereich. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass in Ländern mit Diktaturen und kontrollierenden Regierungen innovative Unternehmen und kreative Individuen akzeptiert werden – das ist per Definition unmöglich. Folglich sehe ich die USA als Nummer 1 und Europa als gute Nummer zwei wenn es darum geht, innovativ zu sein und neuartige, überaschende Produkte einzuführen.
Warum ist Europa nichts desto trotz Nummer 2? Wir haben immer noch Schwierigkeiten im Umgang mit Zuwanderung und Vielfältigkeit, unerheblich ob wir von Deutschland, Österreich, Schweden oder anderen Ländern reden. Jedoch nur durch die Einbindung von Vielfalt in unsere Gesellschaften sind wir in der Lage, hoch innovative Umgebungen ähnlich Silicon Valley oder der Stanford University zu schaffen.
Wie innovativ ist der „alte Kontinent“, in welchem Bereich sind uns andere Nationen einen Schritt voraus?
Wie ich schon sagte, ich halte Europa für außerordentlich innovativ. Die Vereinigten Staaten sind in ihrer Form bereits gesetzt – Europa, oder besser die EU, ist es nicht. Wir befinden uns immer noch im Prozess des Aufbaus der EU, im Wandel, einer sehr dynamischen institutionellen Entwicklung. Dahingehend wird die EU ein Vorbild für andere Teile der Welt wie etwa Südamerika sein, während sie im Vergleich zur USA im Bereich Wissenschaft und Technologie Nr. 2 bleibt – wenn auch eine sehr gute Nr. 2.
Welches sind Ihrer Meinung nach die drei Erfolgsfaktoren für innovative Unternehmen?
1. Die Akzeptanz von Misserfolg als Teil des innovativen Prozesses und dem zufolge der Unternehmenskultur.
2. Eine organisatorische Struktur, die maximale Vielfalt fördert. Dies bedeutet die Fähigkeit, eine Person aus China, der Ukraine, Australien oder wo auch immer her einzustellen und diese innerhalb von zwei bis drei Monaten in die Organisation integrieren zu können.
3. Ein Belohnungssystem nicht nur für Erfolg, sondern auch für Misserfolg. Das mag ungewöhnlich klingen, führt aber zu kreativem und innovativem Denken.
Welches Unternehmen hat Sie während der Finanzkrise der letzten zwei Jahre inspiriert?
Apple
Wie „Social“ sind Innovationen? Betonen Unternehmen das Thema „Social Media“ zu recht so stark?
Ja und nein! Im Moment wissen wir nicht, welchen Einfluss Social Media haben wird, da wir nur wenig davon verstehen und von dem, was es wirklich ist. Es scheint, als hätten wir alle Antworten, und suchen dennoch nach den Fragen. Wir wissen, dass es für „dich und mich“ gut ist zu kommunizieren und zu chatten, sich gegenseitig zu vernetzen und „gemeinsam einsam“ zu sein. Das ist in der Tat ein neues Paradoxon, denn es bedeutet, dass Millionen alleine sind – und dennoch zusammen. Heutzutage haben Unternehmen ihre eigene Internetpräsenz die gepflegt und aktuell sein will. Wir setzen auf Facebook und sollten es sogar als eigenständiges Land ansehen, das „Königreich Facebook“. Es ist noch zu früh, um dessen Einfluss auf das Wirtschaftsleben und die Gesellschaft abzuschätzen, oder welche Rolle es in diesen spielen wird. Dennoch müssen wir aufmerksam sein, um auf schnelle Veränderungen vorbereitet zu sein und umgehend reagieren zu können.
Welche sind die größten Herausforderungen für den Marketing- und Vertriebsleiter in den nächsten Jahren?
Die Menschen werden insgesamt mehr konsumieren und wir müssen Frauen als eigenständige Ziel- und Marktgruppe verstehen. Bisher haben wir Frauen wie kleine Männer behandelt, doch Frauen sind in jedem Bereich auf dem Vormarsch und wir müssen begreifen wie wichtig es ist, unterschiedliche Kunden unterschiedlich anzusprechen. Und Frauen neigen dazu, sich in vielen Bereichen sehr unterschiedlich zu verhalten in Bezug auf Preis, Marketing und Kaufverhalten.
Wo finden Sie Inspiration für neue Ideen?
Nicht durch das Lesen eines weiteren volkswirtschaftliche Buches oder anderer Artikel meines aktuellen Themas. Vielmehr von Forschern, Medizinern oder Menschen ganz unterschiedlicher Fachgebiete mit komplett andersartigen Gedanken und Denkweisen.
Was können wir von Ihnen am Marketing & Innovation Forum Europe 2011 erwarten?
Erwarten Sie einen intensiven, energiegeladenen, inspirierenden und witzigen Ansatz mit Einblick in todernstes Zeugs!







